Marco Schank

Todesengel

Sprache: Deutsch
Kurze Kriminalgeschichten aus Luxemburg
Op der Lay 168 2011, 144 Seiten
ISBN 978-2-87967-179-6

Sicherlich warten viele Krimifans wieder auf einen neuen Roman dieses luxemburgischen Bestsellerautors. Aber wie schreibt Marco Schank in seinem Nachwort:
Zurzeit sind Ministeramt und Romane schreiben für mich unvereinbar. Deshalb hoffe ich, dass meine Leserinnen und Leser an dieser «Notlösung» in Form einer kleinen Sammlung von Kurzgeschichten doch etwas Freude haben. Die vorliegenden Geschichten entstanden im Laufe der Jahre als Fundus für Lesungen, für die sie sich auf Grund ihrer Kürze und Bündigkeit sehr gut eignen. Wie ein roter Faden zieht sich durch Todesengel das Thema «Frauen in der Rolle von Opfer und Täterinnen». Zudem drängt sich ein weiteres Motiv immer wieder in den Vordergrund: «Gärtnern und Rosen», eine große Leidenschaft, die meine Frau und ich teilen.
Einen Namen als Krimiautor machte Marco Schank sich schon mit Die Schalen des Zorns (5. Auflage), Die Stunde der Ernte (4. Auflage), Das Vermächtnis des Propheten (3. Auflage), Die Dornenfrauen (3. Auflage), Die Kinder des Bösen (2. Auflage), Mao und die andern (2. Auflage) sowie Todeswasser (2. Auflage, Luxemburger Buchpreis 2009 in der Sparte Literatur), die alle Bestseller in Luxemburg wurden und mittlerweile auch bei vielen Lesern im Ausland das Interesse an typisch luxemburgischen Krimis weckten. Aber bei Op der Lay sind von ihm ebenfalls eine Monographie und 2 Theaterstücke auf Luxemburgisch erschienen.


Auszug aus Die Frau mit den rehbraunen Augen

Dann winkten die Zöllner uns ebenfalls heran. Ein Beamter kam zu der Fahrerseite und fragte nach den Papieren. Mercedes reichte ihm unsere beiden Pässe. Er lächelte sie an, sah zu mir rüber, tippte kurz mit dem Finger an die Schirmmütze und bat uns weiterzufahren.
Mercedes bedankte sich lächelnd, fuhr bis zum Schlagbaum vor und wartete. Ein junger Offizier kam zu mir an die Beifahrerseite und bedeutete mir mit einem Handzeichen auszusteigen. Ich sah kurz zu Mercedes hinüber und senkte die Scheibe. Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte ich, wie ein zweiter Beamter vor dem Schlagbaum seine Maschinenpistole in Anschlag brachte.
«Steigen Sie aus!», bellte er rüde auf Englisch. Ich sah fassungslos zu, wie die Hand des Zöllners zum Gürtel ging und er seinem Nebenmann etwas auf Spanisch zuschrie.
Dann ging alles sehr schnell. Noch bevor ich den Wagen verlassen konnte, trat Mercedes plötzlich das Gaspedal durch und schrammte durch eine schmale Lücke am Schlagbaum vorbei. Dem Zöllner vor uns gelang es eben noch, zur Seite zu springen.
«Was tust du da?», wollte ich gerade schreien, als mehrere Kugeln durch die Windschutzscheibe an meiner Seite einschlugen. Ich wurde getroffen und ein höllischer Schmerz durchfuhr meine Schulter.
Aus dem Augenwinkel heraus sah ich, wie Mercedes den Wagen in gebückter Haltung lenkte und durch die untere Ecke der Windschutzscheibe linste, um sich zu orientieren. Auf dieser Seite des Passes war der Nebel wie weggeblasen.
Mit halsbrecherischer Geschwindigkeit begann sie, die schmale Passstraße hinunterzufahren. Hinter uns heulten Sirenen auf, und mehrere Einsatzfahrzeuge nahmen die Verfolgung auf. Bereits nach der zweiten Biegung passierte es. Der Peugeot brach aus, sie riss das Steuer nach links herum, instinktiv gegen den Abgrund. Der Wagen schoss einen unwegsamen Felskamm hoch, überrollte mehrere Büsche, rammte einen spitzen Baumstumpf und überschlug sich.

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